Bedauerlich…

Interview mit dem Blick vom 14. August 1998

Für den Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Blocher gibt es keinen einzigen Grund für das Angebot unserer Grossbanken: „Sie haben wahrscheinlich Dreck am Stecken…“

Interview: Georges Wüthrich

Herr Blocher, was sagen Sie zu den 1,8 Milliarden?

Christoph Blocher: Bedauerlicherweise war diese Kapitulation zu erwarten. Bereits beim Holocaust-Spezialfonds haben die Banken einer Erpressung nachgegeben und jetzt das zweite mal bei den Sammelklagen.

Was hätten Sie anders gemacht?

Blocher: Durchhalten. Bei Erpressungen muss man durchhalten, sonst hört die Gegenpartei nie auf. Ich befürchte, das war der zweite Streich, und der dritte folgt sogleich.

Was könnte der dritte Streich sein?

Blocher: Dass aus einem anderen Grund wieder Attacken gegen die Schweiz geritten werden. Ich denke da an den nächsten Bergier-Zwischenbericht über die Flüchtlings-Politik, obwohl auch der nichts bringen wird, was nicht längst schon bekannt war.

Die Banken wollen etwas von der Wirtschaft zurück. Zahlt Ihre Ems-Chemie einen Betrag?

Blocher: Auf keinen Fall. Ich wüsste nicht warum. Wir haben schon nichts in den Holocaust-Fonds einbezahlt. Wir lassen uns nicht erpressen. Wenn man Unrecht begangen hat, muss man dieses Unrecht abgelten. Wir sind uns aber keiner Schuld bewusst. Dass die Banken so viel bezahlen, ist wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass sie Dreck am Stecken haben.

Soll unsere Nationalbank etwas beisteuern?

Blocher: Die Nationalbank darf nur bezahlen, wenn sie einen Schaden abgelten muss, den sie verursacht hat. Mit dem Washingtoner Abkommen ist das alles aber längst erledigt. Die Nationalbank hat bedauerlicherweise schon 100 Mio. in den Holocaust-Fonds bezahlt. Sie darf jetzt auf keinen Fall weitere Gelder einschiessen. Nichts ist bis heute zum Vorschein gekommen, das neue Zahlungen rechtfertigen würde.

Soll die Solidaritätsstiftung beerdigt werden?

Blocher
: Das ist schon beerdigt. Das würde gerade noch fehlen, nochmals 7 Milliarden hinzublättern.

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